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Die Rohrkuh von Karlsdorf

 

Wo sanft die Hügel steigen, zum Himmel blau empor,

wo hell in frohem Reigen die Schwalbe sang im Chor,

dort ward durch Kaiser Josef’s Gnad’

anno 1802 gegründet Karlsdorf im Banat.

 

Dort wuchs im warmen Sonnenschein weit und breit der beste Wein.

Im Ried da konnte man gut jagen, ihr könnt da jeden Jäger fragen,

Hasen, Fuchs und wilde Schweine, Reh und Hirsche gab’s dort keine.

Im Ried, im hohen Rohr, da lebte seit grauen Tagen,

wie berichtet in vielen, alten Sagen

ein seltsames, sonderbares Wesen, das einst, wie es  hiess,

sogar auf  Noah’s Arche gewesen.

Kein zweites war jemandem bekannt,

und wurde mit Ehrfurcht nur ‘die Rohrkuh’ genannt.

So mancher hatte sie schon gehört, wenn bellende Jagdhunde sie gestört,

doch ward es jedem Jäger versagt, die Rohrkuh zu erlegen auf der Jagd.

Sie graste friedlich im Mondschein auf der Weide

und hatte ein Fell so weich wie Samt und Seide.

Und ohne aufzuschneiden oder gemein zu lügen,

behauftete mancher Karlsdorfer sie könnte sogar fliegen.

 

Einmal im Jahr gab’s in Karlsdorf einen Jagerball.

Da tanzten die Jäger im festlich geschmückten Saal.

Sie sprachen, wie könnte es anders sein,

beim Jägerball nur Jägerlatein.*

 

Ein Übermütiger nun wollte zeigen was er  kann,

machte sich eines Tages schon früh morgens daran,

die sagenhafte Rohrkuh  zu jagen

und als Trophäe zum Jägerball zu tragen,

da sollte sie hängen an der Wand,

damit es dem ganzen Lande bekannt,

dass er der tüchtigste Jäger sei,

alles andere was ihm Einerlei.

Er lag auf der Lauer so manche Stund,

das Gewehr angelegt, neben ihm sein Hund.

Da hörte er die Rohrkuh ganz nah.

Endlich, endlich war für ihn die Stunde da!

Ein Schuss zerriss das stille Morgengrauen,

da konnte man das Unglaubliche erschauen:

Beladen mit Schafbunda und Wasserlogel und bald

blickten unschuldige Augen starr und kalt

so je aus dem frischen, fröhlichen Leben gerissen,

hat sie wegen eines Jägers Übermut sterben müssen.

Da lag sie, die Rohrkuh, auf weichem Moos

und war doch des alten Feldhüters treuer Esel bloss!

 

Ihr baucht wegen der Geschichte keinen Karlsdorfer zu fragen,

die gestehen nichts ein, die werden euch nichts Näheres sagen.

Die streiten alles ab und leugnen sehr,

doch seither, gibt es in Karlsdorf -  keine Rohrkuh mehr.

 

*Jägerlatein – Lügen, die Fischer und Jäger erzählen.

 

Anna Wiegert (Kungel, Ernsthausen)

 

 
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